Eines Nachmittags mitte der 80er Jahre drückte mir meine Mutter ein paar Bälle in die Hand und sagte:" Richi, erinnerst du dich an die tollen Jongleure gestern im Fernsehen? Probier das doch auch mal aus. Wenn du es schaffst, geb ich dir zwanzig Mark."
Sofort war mein Ehrgeiz geweckt. Nach einigen Versuchen kam ich auf den Trichter und hielt die Bälle ein paar Sekunden in der Luft. Die zwanzig Mark waren mir sicher, die ich sofort in Eiscreme investierte.
Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnen konnte, war die Tragweite dieses Ereignisses. Es sollte mein Leben maßgeblich beeinflussen. Ab dem Tag habe ich geübt und auch mal die Hausaufgaben liegen gelassen.
Schon während der Schulzeit fing ich an, Jonglierauftritte zu machen. Mein Vater fuhr mich zu den Veranstaltungen und gab mir viele Tipps bei der Autofahrt. Sowas wie:" gib immer dein Bestes." Aber auch: "Viel Spaß beim Auftritt."
Den Spaß hatte ich und beschloß nach dem Abitur, erstmal ein paar Wochen mit einem Zirkus zu reisen. Das war spannend und ich lernte das echte Leben eines Artisten kennen. Da passierten dann auch witzige Mißgeschicke. Einmal pinkelte das Zirkuspferd auf meine Requisiten...und das kurz vor dem Auftritt. Da musste ich kurzerhand `umsatteln´ und schnappte mir ein paar Gegenstände zum Jonglieren, die da gerade so rumlagen.
1995 dann gewann ich bei dem Kabarettwettbewerb "Grazer Kleinkunstvogel" einen Sonderpreis. Diesen Preis gab es eigentlich gar nicht, aber die Jury war so begeistert von meinem Programm, dass sie mir extra diesen Sonderpreis vergaben. Das war der Startschuß in die Profiliga.
Das Studium an der Uni in Frankfurt am Main hängte ich an den Nagel, um mich künftig ganz auf die Auftritte als Jongleur und Komiker zu stürzen.
Ab 1997 trat ich für viele Jahre mit einem Freund und Kollegen als "die zwei Jongletties" auf. Wir bereisten mehrere Sommer lang Südfrankreich und spielten unser Programm auf der Straße vor begeisterten Touristen. Weil mich die französischen und spanischen Touristen mit Deutsch nicht verstanden, habe ich angefangen, Französisch und Spanisch zu lernen. Mein Kollege meinte, das wäre ja ganz nett, dass ich jetzt französisch mit dem Publikum spräche, aber das sei nicht so witzig. Ich soll doch extra Fehler einbauen und falsch französisch sprechen wie ein Clown. Was meinten die Franzosen dazu? Oh je, die sagten mir, was ich alles falsch mache und ich soll doch erstmal ordentlich französisch lernen. Also habe ich wieder ´korrekt´ gesprochen, n´est pas?
Das lustigste Mißgeschick passierte allerdings vor einigen Jahren bei dem weltgrößten Jonglierfestival, der european juggling convention. Mit meinem Kollegen sollten wir die große Eröffnungsshow moderieren auf dem Schlossplatz in Karlsruhe. Da kamen viele Tausend Leute, Jongleure und Zaungäste. Dafür wollte ich die Nummer mit dem Schokokeks aufführen. Dieser Trick geht aber nur mit einer bestimmten Sorte, die besonders gut fliegt. Im Ernst, nicht alle Kekse können gut fliegen. Leider hat jemand kurz vorher die Kekspackung komplett leer gegessen. Ich hatte auf einmal keine Kekse. Keine Kekse, keine Jongliernummer. Kurzerhand kaufte ich Kekse, aber die eine besondere Sorte war ausverkauft. Oh neiiiiin!!! Was tun? Ich nahm einfah irgendwelche Kekse, aber mit denen klappte der Trick nicht. Also versuchte ich den Trick und verschoß zwei komplette Kekspackungen auf der Bühne. Am Ende verbeugte ich mich und rettete die Nummer mit Charme.
Nachher meinte mein Kollege:" Du das war viel besser so, diese verrückte Aktion mit den vielen Keksen, die alle nicht richtig flogen. Das haben nämlich alle gesehen, auch die in den hinteren Reihen. Das war viel witziger so." Seitdem passe ich aber trotzdem auf, dass mir niemand meine Kekse klaut ;-)
Spontane Interaktionen und lustige Mißgeschicke waren von Anfang an Teil meiner Show. Das macht jeden Auftritt einzigartig und besonders.